Aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer

Handwerk mit positiver Jahresbilanz 2017. Höhenflug geht weiter

Geschäftsklima klettert auf Rekordniveau

Die Jahresbilanz 2017 fiel für das nord-, ost- und mittelhessische Handwerk äußerst zufriedenstellend aus. Insgesamt 8,84 Milliarden Euro setzten die Betriebe im vergangenen Jahr um, das waren 290 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Das Umsatzwachstum betrug nach vorläufigen Angaben 3,4 Prozent und lag damit über der Prognose vom Jahresanfang (+ 2,5 Prozent). Das Beschäftigten-plus war weniger stark ausgeprägt und lag bei 0,5 Prozent, das entspricht 500 neuen Stellen. Am Jahresende 2017 waren insgesamt 91.500 Menschen im Kammerbezirk Kassel beschäftigt.

Für das Jahr 2018 wird ein weiteres Umsatzwachstum von 3 Prozent (+ 267 Mil-lionen Euro) prognostiziert. Allerdings wird es aufgrund des Fachkräftemangels nur schwache positive Beschäftigteneffekte im Handwerk geben.

Die Stimmung in den Betrieben war über das gesamte Jahr 2017 hinweg von hoher Zufriedenheit gekennzeichnet. Im Jahresschnitt lag der Geschäftsklimaindex bei 133,6 Punkten und konnte gegenüber dem starken Vorjahr (124,4 Punkte) um weitere 9,2 Punkte steigen. Mitte des Jahres kletterte das Geschäftsklima sogar auf ein Allzeithoch (138,2 Punkte). Dies ist die stärkste Handwerkskonjunktur seit Beginn der 90er Jahre. Die Geschäfte laufen im siebten Jahr in Folge außerordentlich gut und die Betriebsinhaber erwarten eine Fortsetzung der guten Lage.

Durchschnittlich bezeichneten 87,9 Prozent der Betriebsinhaber (Vorjahr: 86,5 Prozent) ihre aktuelle Geschäftslage in 2017 als gut oder befriedigend. Vor allem die wirtschaftlich stärksten Gewerbegruppen des Handwerks meldeten er-neut rekordverdächtige Zahlen bei Geschäftslage, Umsatz und Auftragsreserven. Zugmaschine der dynamischen Entwicklung blieb das Bauhaupt- und das Ausbaugewerbe sowie die industriellen Zulieferer. Hier war der Zufriedenheitsgrad am höchsten und die Umsätze wuchsen im Jahresverlauf am stärksten, allerdings stoßen viele Betriebe zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen bzw. fehlen notwendige Fachkräfte, so dass das Wachstumspotenzial nicht voll ausgeschöpft werden konnte. Auch die Gesundheitshandwerke waren mit dem Jahresverlauf mehr als zufrieden. Einzig die Kfz-Handwerker zeigten weniger Eu-phorie. Die „Diesel-Diskussion“ und zurückgehende Verkäufe von Diesel-Pkw haben die Situation für viele Betriebe nicht gerade erleichtert, aber es scheint wieder langsam bergauf zu gehen, die geäußerten Geschäftserwartungen für 2018 deuten das an.

Der Blick auf den Auslastungsgrad in den Unternehmen unterstreicht das gute Bild im Gesamthandwerk: 78,9 Prozent waren es im Jahresschnitt, damit stieg die Kapazitätsauslastung gegenüber 2016 um weitere 1,2 Prozentpunkte. Knapp 40 Prozent der befragten Betriebe waren auf Dauer vollausgelastet, die Auftragsreichweiten haben sich auf durchschnittlich 7,8 Wochen erhöht (Vor-jahr: 6,9 Wochen). Viele Betriebe hätten daher gern auch mehr Personal einge-stellt, aber das blieb leider oft erfolglos.

Sowohl bei den Auftragseingängen als auch bei den Umsätzen gab es gegen-über 2016 weitere signifikante Steigerungen. Lediglich die Investitionsbereitschaft der Betriebe gibt Anlass zur Sorge. Die war vergleichsweise niedrig und verharrte auf dem Vorjahresniveau. Um weiteres Wachstum zu generieren, sind hier deutlich mehr Impulse notwendig.

Umsatz- und Beschäftigtenentwicklung 2017/18

Geschäftsklima HWK Kassel 2006-2017
Geschäftsklima HWK Kassel 2006-2017

Konjunkturmerkmale 2017 nach Gewerbegruppen:
Bauhauptgewerbe: Spitzenwerte bei der Geschäftslagebeurteilung, denn der Bauboom geht weiter. Die Betriebe profitieren von der gestiegenen öffentlichen Nachfrage, ebenso wie vom gewerblichen Bau und vom Wohnungsbau, der sein hohes Niveau gehalten hat. Die Auftragsreichweite ist gegenüber 2016 weiter angestiegen und lag im Jahresschnitt 2017 bei 8,1 Wochen. Die Betriebsauslastung bleibt sehr hoch und lag bei durchschnittlich 81,9 Prozent. Die Betriebe blicken sehr zuversichtlich in die Zukunft.

Ausbaugewerbe: Weiteren Schub gegenüber dem starken Vorjahr gab es vor allem dank der weiterhin hohen Nachfrage durch den wachsenden Wohnungsmarkt und Sanierungen im Bestand. Mehr als sechs von zehn Betrieben schätzen die Geschäftslage als gut ein, nicht einmal jeder zehnte als schlecht. Die Auftragsreserven liegen bei deutlich über 8 Wochen. Die Aussichten bleiben sehr positiv und die Rahmenbedingungen günstig.

Gewerblicher Bedarf: Deutliche Verbesserungen bei den industriellen Zuliefe-rern gegenüber dem starken Vorjahr. Durchschnittlich 93 Prozent berichten von guten oder zufriedenstellenden Geschäften. Die Auftragsreserven liegen inzwischen bei knapp 12 Wochen. Die weitere Einschätzung durch die gute Industrienachfrage bleibt positiv.

Kraftfahrzeuggewerbe: Das Kfz-Handwerk liegt deutlich unter dem Durch-schnitt des Gesamthandwerks, gegenüber 2016 kaum Aufwärtstendenzen in der Geschäftslagebewertung. PKW-Absätze waren durch den Diesel-Skandal belastet, aber die Werkstätten waren besser ausgelastet. Immerhin zeigte sich in 2017 jeder fünfte Betrieb mit der Geschäftslage zufrieden. Insgesamt bessere Zukunftserwartungen bei den Betriebsinhabern.

Nahrungsmittelgewerbe: Die Geschäftslage in den Lebensmittelhandwerken blieb gut, auch wenn gegenüber 2016 leichte Abwärtstendenzen erkennbar sind. 84 Prozent bezeichneten die Geschäfte als gut oder befriedigend. Die Umsätze waren insbesondere zum Jahresschluss gestiegen. Aufgrund der sehr guten Verbraucherstimmung erwarten die meisten Betriebe eine Fortsetzung der guten Lage.

Gesundheitsgewerbe: Viel gute Laune auch bei den Gesundheitshandwerken. Das gute Jahr 2016 wurde sogar getoppt. 91 Prozent zeigten sich mindestens zufrieden. Sorgen gab es allerdings bei den Zahntechnikern. Die Auftragslage bleibt insgesamt sehr gut und die Erwartungen zuversichtlich. Das gute Konsumklima und die demografische Entwicklung machen sich hier besonders bemerkbar. Umsatzentwicklung und Auftragsbestand bleiben auf hohem Niveau.

Persönliches Dienstleistungsgewerbe: Freundliche Gesichter auch im privaten Dienstleistungsgewerbe. Die Geschäftslage wurde erheblich besser als in 2016 eingeschätzt. Umsatzsteigerungen und höhere Auftragsbestände prägten das Bild. Die Auftragsbestände waren erfreulich hohem Niveau.

Zum Handwerk im Kammerbezirk Kassel (Stadt Kassel, Landkreise Kassel, Waldeck-Frankenberg, Werra-Meißner, Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg, Marburg-Biedenkopf und Fulda) gehören knapp 16.100 Betriebe, die 91.500 Mitarbeiter beschäftigen und 7.200 junge Menschen ausbilden und einen Umsatz von 8,84 Milliarden Euro erwirtschafteten.

Datengrundlage der Konjunkturbilanz 2017: Vierteljährlich befragt die Handwerkskammer Kassel ca. 850 repräsentativ ausgewählte Betriebe aus sieben Gewerbegruppen zur aktuellen Konjunkturentwicklung. Dabei werden sowohl weiche Indikatoren (z. B. Geschäftslageeinschätzung) als auch harte Indikatoren (Auftragseingänge, Umsätze, Beschäftigte, Investitionen u. a.) abgefragt. Das Geschäftsklima errechnet sich aus dem Mittelwert der Umfrageergebnisse zur Geschäftslage und zu den Erwartungen.

Kontakt:

Handwerkskammer Kassel
Dr. Matthias Joseph
Telefon 0561 7888-166
E-Mail: matthias.joseph@hwk-kassel.de

Postfach 10 16 20
34016 Kassel

www.hwk-kassel.de