Insolvenzen-Osthessen-1hlj-2020

Zahl der Insolvenzen in Osthessen antizyklisch zur deutschlandweiten Analyse gestiegen

Osthessen weist einen Insolvenzanstieg von 50 % zum Vorjahr auf

In Osthessen sind die Insolvenzzahlen im 1. Halbjahr 2020 entgegengesetzt zu der deutschlandweiten Gesamtauswertung gestiegen. Vergleicht man das 1. Halbjahr zum Vorjahr wird die Situation deutlich. Osthessen weist einen Insolvenzanstieg von 50 % zum Vorjahr auf (2020: 63; 2019: 42 Unternehmen). 

Dieses Ergebnis in Osthessen resultiert aus allen untersuchten Landkreisen, wobei der Landkreis Fulda mit einem massiven Anstieg zum Vorjahr hervorsticht, insgesamt 45 Unternehmensinsolvenzen (2019: 36). Im Main-Kinzig-Kreis* wurden 12 Insolvenzen gezählt (2019: 8). Im Vogelsbergkreis** mussten 6 Unternehmen den Kampf der Existenz aufgeben (2019: 4). Eines war jedoch in allen untersuchten osthessischen Gebieten gleich, die meist betroffene Rechtsform aller Insolvenzen im 1. Halbjahr 2020 betrifft die Rubrik Gewerbebetriebe, Einzelunternehmen sowie Freie Berufe, gefolgt von den Gesellschaften mit beschränkter Haftung.

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Größtenteils betrafen die Insolvenzen in Osthessen den Sektor Dienstleistungen sowie den Handel fortgeführt von Bau- und Gastgewerbe. Das berichtet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform Kassel / Fulda Schlegel & Busold KG. Im deutschlandweiten Vergleich hat sich das gesamte Bundesland Hessen etwas im Gesamtranking verbessert und liegt mit 48 Unternehmenspleiten gerechnet auf 10.000 Unternehmen unter dem Bundesdurchschnitt von 54 Insolvenzen (2019: 61). Die meisten Insolvenzen in Deutschland wurden in Bremen gemeldet, statistisch betrachtet sind dort 116 von 10.000 Unternehmen in die Insolvenz gegangen.

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Thüringen nach wie vor mit den wenigsten, dort stehen 30 von 10.000 Firmen vor dem aus. Deutschlandweit sinken allerdings erneut alle registrierten Insolvenzfälle um 8,2 Prozent auf 8900 Unternehmen zum Vorjahr (2019: 9690 Fälle). Trotz eines rückläufigen Insolvenzgeschehens lag die Zahl der bedrohten Arbeitsplätze damit nur knapp unter dem Vorjahreswert. Aufgrund einiger Großinsolvenzen wie der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof GmbH, der Gebäudedienstleister Clemens Klein und der Automobilzulieferer Veritas stiegen die betroffenen Arbeitsplätze deutschlandweit auf rund 125.000 Arbeitnehmer (2019: 130.000) an.

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Zusammenfassend kann man für das 1. Halbjahr 2020 festhalten, dass die Insolvenzzahlen deutschlandweit die wirtschaftliche Not der Corona-Krise bisher nicht widerspiegeln. Das ist auf den ersten Blick eine paradoxe Entwicklung, da wir uns mitten in der schwersten Rezession der letzten 70 Jahre befinden. Bei den Unternehmen führte insbesondere die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zunächst bis zum Herbst zu diesem Effekt. Die Aussetzung wurde flankierend zu den Unterstützungsmaßnahmen der Bundesregierung kurzfristig beschlossen. Zudem laufen staatliche Hilfspakete in Milliardenhöhe zur Stützung der Wirtschaft in der aktuellen Krise, was faktische Insolvenzen zunächst verhindert. 

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Wie die Entwicklung der Insolvenzen seit März 2020 zeigt, wird der vom Gesetzgeber intendierte Normzweck erreicht und wahrscheinlich sogar in missbräuchlicher Weise übertroffen, da die Antragszahlen klar rückläufig sind obgleich sie – nachdem nur Corona bedingte Insolvenzursachen von der Antragspflicht befreien – an sich mehr oder minder stabil hätten bleiben müssen. Es steht also zu vermuten, dass auch solche Unternehmen, die gar nicht Adressat des Antragsmoratoriums waren, in seinem Windschatten zulasten ihrer Gläubiger und Lieferanten ihren Geschäftsbetrieb fortführen (sog. Zombie-Firmen). Hier wird deutlich, welche Nebenwirkungen und Risiken die zeitweilige Suspendierung der Antragspflicht nach sich ziehen kann. In Osthessen offenbart sich bereits im ersten Halbjahr 2020 eine Trendumkehrung der Unternehmensinsolvenzen. Die Folgen der Corona-Pandemie sind bereits in Osthessen sichtbar.

Quelle: Creditreform

* Main-Kinzig-Kreis: 36391, 36381, 36396, 63628
** Vogelsbergkreis: 36341, 36355, 36110, 36358, 36369, 35327,36367

Kontakt:

Creditreform Kassel / Fulda Schlegel & Busold KG
Niederlassung Fulda
Werner-von-Siemens-Straße 12-14
36041 Fulda

Telefon: +49 661 / 250 28 – 141
Telefax: +49 661 / 25028 – 155
W.Busold@fulda.creditreform.de
www.creditreform-fulda.de

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