Aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer

Konjunkturbilanz im Handwerk 2019

Überzeugende Zahlen im nord-, ost- und mittelhessisches Handwerk. Erwartungen verhalten optimistisch

„Die Jahresbilanz 2019 fällt für das nord-, ost- und mittelhessische Handwerk positiv aus, die gute Binnennachfrage hat für einen kräftigen Umsatzschub gesorgt: Nach vorläufigen Berechnungen haben die Betriebe im Kasseler Kammerbezirk insgesamt 9,6 Milliarden Euro umgesetzt, das sind 460 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Das Umsatzwachstum beträgt damit 5 Prozent und liegt über unserer Prognose vom Jahresanfang (+ 3,5 Prozent)“, kommentiert Vizepräsident Frank Dittmar die Konjunkturbilanz 2019. Ein Beschäftigtenplus ist leider nicht zu verzeichnen. Am Jahresende 2019 waren insgesamt 92.200 Menschen im Kammerbezirk Kassel beschäftigt.

Frank Dittmar
Frank Dittmar
Foto: Andreas Fischer

Trotz der Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft 2019 nur knapp einer Rezession entgangen ist und sich die weltwirtschaftlichen Handelskonflikte weiter fort- setzen, erwartet das Handwerk eine Beibehaltung der guten Konjunktur, wenn auch mit nachlassender Dynamik. „Für 2020 gehen wir von einem weiteren Umsatzwachstum in Höhe von 3,5 Prozent aus, was insbesondere vom Bauhaupt- und Ausbaugewerbe getragen wird. Die Binnennachfrage wird auch in diesem Jahr auf hohem Niveau bleiben, insbesondere davon werden unsere Handwerksbetriebe weiterhin profitieren, nur punktuell lassen sich kleine Dämpfer er- kennen“, so Dittmar in seiner Stellungnahme.

Die Stimmung in den Betrieben war über das gesamte Jahr hinweg von hoher Zufriedenheit gekennzeichnet. Im Jahresschnitt betrachteten 90,5 Prozent der Betriebsinhaber ihre Geschäftslage als „gut“ oder „befriedigend“. Im starken Vorjahr lag dieser Wert noch um 1,3 Prozentpunkte niedriger. Die Geschäfte laufen in den Handwerksbetrieben nun bereits im neunten Jahr in Folge außer- ordentlich gut.

Allerdings sind die geäußerten Geschäftserwartungen seit Jahresmitte etwas abgesackt, so dass der Geschäftsklimaindex ein neues Rekordhoch verfehlte. Im Jahresmittel lag der Index bei 117,4 Punkten, im Vorjahr waren es durchschnittlich 3,4 Punkte mehr. Die etwas nachlassende Dynamik der Konjunktur wird hier deutlich. Die Betriebsinhaber sind hinsichtlich der weiteren Entwicklung zwar etwas skeptischer geworden, bleiben aber insgesamt zuversichtlich.

Insgesamt 82 Prozent der befragten Handwerksbetriebe erwarten eine bessere bzw. gleichbleibende geschäftliche Situation. Auch der Zufluss neuer Bestellungen unterstreicht die etwas vorsichtigere Haltung: Seit Mitte des Jahres sind die Auftragseingänge leicht nach unten gerichtet.

Mit 81,1 Prozent Kapazitätsauslastung hat das Handwerk im Kammerbezirk Kassel den bisherigen Topwert des Jahres 2019 um 0,3 Prozentpunkte steigern können. Dieser zeitnah reagierende Konjunkturindikator zeigt die Stärke der aktuellen Konjunktur im Handwerk. Die Personalengpässe der Betriebe wurden durch weitere Kapazitätserhöhungen kompensiert. Auch die durchschnittliche Auftragsreichweite war weiter gestiegen und lag im Jahresdurchschnitt bei 9 Wochen (Vorjahr: 8,7 Wochen).

Konjunkturlokomotive blieben die Betriebe des Bauhaupt- und des Ausbaugewerbes. Die Meldungen zur Geschäftslage, zum Umsatz und zu Auftragsreserven waren wie schon im Vorjahr auf Rekordniveau, allerdings arbeiten viele der Betriebe am Rand ihrer Kapazitäten, so dass zunehmend längere Wartezeiten für die Kunden entstehen. Auch die Gesundheitshandwerke und die Nahrungsmittelhandwerke waren mit dem Jahresverlauf mehr als zufrieden, während die industriellen Zulieferer seit Jahresmitte eine deutliche Abkühlung erfahren mussten. Skeptisch zeigt sich das Kfz-Gewerbe. Die anhaltende Diskussion um das zukunftsfähige Auto erschwert die Situation in vielen Betriebe. Die Investitionszurückhaltung der Industrie trifft auch das Handwerk.
Hauptproblem bleibt auch 2020 die Suche nach qualifizierten Fachkräften in vielen Handwerksbranchen. Das hohe Wachstum bei gleichzeitiger Beschäftigtenstagnation bringt zunehmend mehr Betriebe an ihre Grenzen.

Weiter gestiegen ist die Zahl der Handwerksbetriebe. Im Jahresverlauf ergab sich ein Plus von 336 Betrieben (+ 2,1 Prozent), so dass die Gesamtzahl jetzt bei 16.610 Betrieben liegt. Während die zulassungspflichtigen Handwerke, zu deren Ausübung grundsätzlich die Meisterprüfung erforderlich ist, weiter zurück- gegangen sind (- 60 Betriebe bzw. 0,6 Prozent), gab bei den zulassungsfreien Handwerken, die ohne handwerklichen Qualifikationsnachweis ausgeübt wer- den dürfen, eine sehr deutliche Zunahme um 303 Betriebe (+ 8,1 Prozent). Das starke Wachstum ist auf die geplante Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Gewerken zu zurückzuführen und wird sich im diesem Jahr nicht wieder- holen. Auch die handwerksähnlichen Gewerbe haben um 93 Betriebe bzw. 4,0 Prozent zugelegt.

Konjunkturmerkmale 2019 nach Gewerbegruppen

Bauhauptgewerbe: Spitzenwerte bei der Geschäftslagebeurteilung, denn der Bauboom hat sich weiter fortgesetzt. Die Betriebe profitierten von der starken öffentlichen und privaten Nachfrage. Allerdings sind Ermüdungstendenzen er- kennbar, die Betriebe sehen verhaltener in die Zukunft. Insbesondere im Tief- bau ist die geschäftliche Situation recht verhalten. Die Auftragsreichweite ist gegenüber 2018 weiter angestiegen und lag im Jahresschnitt 2019 bei 11,6 Wochen. Die Betriebsauslastung blieb mit 85 Prozent auf extrem hohen Niveau.

Konjunktur Bauhauptgewerbe 2019
Ausbaugewerbe: Gut gefüllte Auftragsbücher und deutliche Umsatzsteigerungen prägten das Jahr 2019 auch im Ausbaugewerbe. Die hohe Nachfrage durch den wachsenden Wohnungsmarkt und Sanierungen im Bestand werden sich auch 2020 fortsetzen. Insgesamt 69 Prozent der Betriebe schätzten die Geschäftslage im Jahresdurchschnitt als gut ein, 27 Prozent als befriedigend. Die Auftragsreserven lagen bei 10,1 Wochen. Die Aussichten bleiben sehr positiv.

Geschaeftslage Ausbaugewerbe 2019

Gewerblicher Bedarf: Die industriellen Zulieferer stehen nach wie vor gut da, allerdings sind die Entwicklungen bei Auftragseingängen und Umsätzen seit Jahresmitte rückläufig. Die Betriebe spüren die verhaltene Industrieproduktion und die Aussichten werden schwächer eingeschätzt. Die Auftragsbestände bleiben hoch, sind aber rückläufig.

Geschaeftslage Gewerblicher Bedarf-2019

Kraftfahrzeuggewerbe: Das Kfz-Handwerk liegt deutlich unter dem Durch- schnitt des Gesamthandwerks. Gegenüber 2018 ging es sogar noch weiter bergab in der Geschäftslagebewertung. Nach der Diesel-Krise folgt die Diskussion um die Elektromobilität, der Veränderungsdruck bleibt hoch. Knapp jeder fünfte Betrieb war mit der Geschäftslage unzufrieden. Auch die Zukunftserwartungen bleiben skeptisch.

Geschaeftslage Kraftfahrzeuggewerbe 2019

Nahrungsmittelgewerbe: Die Geschäftslage in den Lebensmittelhandwerken wird als sehr ordentlich beurteilt. 84 Prozent bezeichneten die Geschäfte als gut oder befriedigend. Die Umsätze waren insbesondere zum Jahresschluss gestiegen. Die Verbraucherstimmung ist aktuell positiv, so erwarten die meisten der Bäcker und Fleischer eine Fortsetzung der guten Lage und blicken recht zuversichtlich nach vorn.

Gesundheitsgewerbe: Freudige Gesichter auch bei den Betrieben der Gesundheitshandwerke, das gute Jahr 2018 wurde noch einmal übertroffen. Knapp 90 Prozent zeigen sich mindestens zufrieden. Die Auftragslage bleibt insgesamt auf hohem Niveau. Die demografische Entwicklung macht sich in dieser Branche besonders bemerkbar und die meisten Betriebe schauen sehr zuversichtlich auf das Jahr 2020.

Geschaeftslage Gesundheitsgewerbe 2019

Persönliches Dienstleistungsgewerbe: Im privaten Dienstleistungsgewerbe (u.a. Friseure, Kosmetiker) gab es wenig Veränderungen. Insgesamt liegt die Branche deutlich unter dem Durchschnitt des Gesamthandwerks. Trotzdem gab es weitere Umsatzsteigerungen. Der Blick nach vorne ist jedoch verhalten.

Geschaeftslage Pers. Dienstleistungsgewerbe 2019

Umsatz- und Beschäftigtenentwicklung 2019/20:
2019 (voraussichtliches Ergebnis):
Umsatz: Beschäftigte:
2020 (Prognose): Umsatz: Beschäftigte:
+ 5 Prozent / + 460 Mio. Euro auf 9,6 Mrd. Euro + 0,0 Prozent / 92.200 Beschäftigte
+ 3,5 Prozent / + 336 Mio. Euro auf 9,9 Mrd. Euro + 0,2 Prozent / + 200 auf 92.400 Beschäftigte

Zum Handwerk im Kammerbezirk Kassel (Stadt Kassel, Landkreise Kassel, Waldeck- Frankenberg, Werra-Meißner, Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg, Marburg-Biedenkopf und Fulda) gehören gut 16.600 Betriebe, die 92.200 Mitarbeiter beschäftigen und über 7.200 junge Menschen ausbilden und 2019 einen Umsatz von 9,6 Milliarden Euro erwirtschafteten.

Datengrundlage der Konjunkturbilanz 2019: Vierteljährlich befragt die Handwerkskammer Kassel ca. 850 repräsentativ ausgewählte Betriebe aus sieben Gewerbegruppen zur aktuellen Konjunkturentwicklung. Dabei werden sowohl weiche Indikatoren (z. B. Geschäftslageeinschätzung) als auch harte Indikatoren (Auftragseingänge, Umsätze, Beschäftigte, Investitionen u. a.) abgefragt. Das Geschäftsklima errechnet sich aus dem Mittelwert der Umfrageergebnisse zur Geschäftslage und zu den Erwartungen.

Ansprechpartner:
Handwerkskammer Kassel
Dr. Matthias Joseph / Öffentlichkeitsarbeit – Wirtschaftspolitik, Statistik, Neue Medien

Scheidemannplatz 2
34117 Kassel
Tel.: +49 561 7888-0

E-Mail: matthias.joseph@hwk-kassel.de

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