Das Handwerk

Ergebnisse der Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Kassel

“Trotz des Ukrainekriegs, hoher Energiekosten, Störungen der Lieferketten und Rohstoffknappheiten, die immer noch spürbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie, zeigt sich die Konjunktur im nord-, ost- und mittelhessischen Handwerk überraschend stabil”, kommentierte Präsident Frank Dittmar die Ergebnisse der aktuellen Frühjahrs-Konjunkturumfrage der  Handwerkskammer Kassel, die heute in der Klawa GmbH in Gudensberg vorgestellt wurden. “Die Geschäftslage hat sich im Vergleich zum Vorjahr insgesamt sogar verbessert. Ob sich diese Entwicklung weiter fortsetzt, ist aufgrund der schwer absehbaren Auswirkungen des Ukraine-Krieges kaum einzuschätzen. Sicher ist, dass die Ertragslage aufgrund der starken  Preissteigerungen deutlich abnehmen wird”, so Dittmar weiter.

Von den über 800 befragten Betrieben im Kammerbezirk Kassel meldeten 82,1 Prozent eine gute oder befriedigende aktuelle Geschäftslage. Im Vorjahr waren es mit 73,1 Prozent deutlich weniger. Auch die Einschätzungen für die nächsten drei Monate sind angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen recht zuversichtlich: 12,9 Prozent (Vj.: 14,3 Prozent) der Befragten  erwarten eine bessere Geschäftslage, weitere 66,4 Prozent eine gleichbleibende. „Nur“ 20,7 Prozent (Vj.: 23 Prozent) erwarten eine Verschlechterung der geschäftlichen Tätigkeiten. Der Geschäftsklimaindex konnte demzufolge gegenüber dem Vorjahr um deutliche 5,2 Punkte ansteigen. Am Ende des Berichtszeitraums lag er bei 105,4 Punkten.

“Der Blick auf die einzelnen Gewerbegruppen ergibt ein sehr differenziertes Bild. Das gesamte Bauhaupt- und Ausbaugewerbe bleibt mit einer sehr guten Auslastung und hohen Orderquoten die Konjunkturlokomotive. Allerdings gibt es auch Sorgenkinder: Insbesondere die Nahrungsmittelhandwerke, das private Dienstleistungsgewerbe (v.a. Friseure, Kosmetiker) und das Kfz-Gewerbe leiden am meisten unter der aktuellen Situation,” so Dittmar weiter.

Die Auftragseingänge zeigen nach oben und erreichten fast wieder das Niveau vor der Corona-Pandemie. Per Saldo melden 4 Prozentpunkte der Betriebe mehr Zuwächse bei den Aufträgen im Vergleich zum Vorquartal. Die insgesamt gute Entwicklung wurde maßgeblich von den Bauhandwerken getrieben. Im Vergleich zum Vorquartal konnte das Ausbau- und Bauhandwerk sowie das Gesundheitsgewerbe seine Umsätze weiter steigern. In den restlichen Branchen ist die aktuelle Umsatzentwicklung im Vergleich zum Vorquartal jedoch eher stagnierend bis rückläufig. Im Vorjahresvergleich hat sie jedoch über alle Handwerksbranchen hinweg an Fahrt gewonnen.

Mit Ausnahme der Nahrungsmittelbetriebe konnten sämtliche Branchen ihre Kapazitätsauslastung im Berichtsquartal steigern. Im Jahresvergleich legte die Auslastung um 2,5 Prozentpunkte auf 77,9 Prozent zu. Besonders gut ausgelastet waren im Zeitraum Januar bis Ende März das Ausbau- und Bauhandwerk mit 87,3 bzw. 85,1 Prozent. Die großen
Auftragspolster im Handwerk dehnten sich im Jahresanfangsquartal gewerkeübergreifend weiter aus, sodass die durchschnittliche Auftragsreichweite bei 10,5 Wochen lag. Im Vorjahr betrug dieser Wert 8,7 Wochen. Auf Bauhandwerker müssen die Kunden sogar mit deutlich über 12 Wochen Wartezeit rechnen.

Große Sorgen macht hingegen die aktuelle Preisentwicklung. Der Anstieg der Einkaufspreise setzt alle Handwerksbranchen mächtig unter Druck. Insgesamt 85 Prozent der Betriebe berichten über eine Zunahme der Preise gegenüber dem Vorquartal. Das Nahrungsmittel-, das Bau-, Ausbau- und das Zulieferhandwerk sind davon am stärksten betroffen. “Die meisten Betriebe haben mit den hohen Energie- und Materialpreisen sowie den gestörten Lieferketten und fehlenden Materialien zu kämpfen. Dies gefährdet die Auftragsbearbeitungen und die
wirtschaftliche Basis der Unternehmen. Trotz guter Konjunkturdaten stehen unsere Betriebe durch die aktuellen Rahmenbedingungen vor wirklich großen Herausforderungen. Das Handwerk braucht in dieser Zeit Klarheit und Beständigkeit der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen,” bilanziert Dittmar die aktuelle Frühjahrsumfrage.

Hintergrund: Vierteljährlich befragt die Handwerkskammer Kassel ca. 800 repräsentativ ausgewählte Betriebe aus Nord-, Ost- und Mittelhessen zur aktuellen Konjunkturentwicklung. Dabei werden sowohl weiche Indikatoren (z. B. Geschäftslageeinschätzung) als auch harte Indikatoren (Auftragseingänge, Umsätze, Beschäftigte, Investitionen u. a.) abgefragt. Das Geschäftsklima errechnet sich aus dem geometrischen Mittelwert der Umfrageergebnisse zur Geschäftslage und zu den Erwartungen. Das Handwerk im Kammerbezirk Kassel beschäftigt ca. 93.500 Mitarbeiter in über 17.000 Betrieben, bildet aktuell 7.300 junge Menschen aus und erwirtschaftet einen Umsatz von 9,7 Milliarden Euro.

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Von Thomas