Aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer

Handwerk zieht positive Konjunkturbilanz für 2018

Für dieses Jahr weiterhin Wachstum erwartet, aber mit abflauender Dynamik

Die Jahresbilanz 2018 fällt für das nord-, ost- und mittelhessische Handwerk äußerst positiv aus, die starke Binnennachfrage hat für einen weiteren Umsatzschub gesorgt: Insgesamt 9,2 Milliarden Euro setzten die Betriebe im vergangenen Jahr um, das waren 436 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Das Umsatzwachstum betrug nach vorläufigen Angaben 5 Prozent und lag damit über der Prognose vom Jahresanfang (+ 3,5 Prozent). Das Beschäftigtenplus war leider weniger stark ausgeprägt und lag bei lediglich 0,2 Prozent. Am Jahresende 2018 waren insgesamt 92.200 Menschen im Kammerbezirk Kassel beschäftigt.

Trotz der weltwirtschaftlichen Turbulenzen, dem drohenden harten Brexit und dem Stottern des deutschen Konjunkturmotors, erwarten die Handwerker eine Fortsetzung der guten Lage, wenn auch mit leicht nachlassender Dynamik. Für das Jahr 2019 erwartet die Handwerkskammer ein weiteres Umsatzwachstum in Höhe von 3,5 Prozent (+ 366 Millionen Euro), das allerdings überwiegend durch Preissteigerungen realisiert wird. Allerdings wird es auch im laufenden Jahr kaum Beschäftigteneffekte geben.

Die Stimmung in den Betrieben war über das gesamte Jahr 2018 hinweg von hoher Zufriedenheit gekennzeichnet. Im Jahresschnitt betrachteten 89,8 Prozent der Betriebsinhaber ihre Geschäftslage als „gut“ oder „befriedigend“. Das ist der beste Wert, den die Handwerkskammer Kassel in ihren Konjunkturaufzeichnungen je erfasst hat. Im starken Vorjahr lag dieser Wert noch um 1,9 Prozentpunkte niedriger.

Durch die durchweg optimistisch geprägten Geschäftsaussichten, die auch für den Jahresanfang 2019 geäußert wurden, kletterte das Geschäftsklima Mitte des Jahres auf ein weiteres Hoch. Die Geschäfte laufen in den Handwerksbetrieben nun bereits im achten Jahr in Folge außerordentlich gut.

Mit 80,8 % Kapazitätsauslastung konnte das Handwerk im Kammerbezirk Kassel den bisherigen Topwert des Jahres 2017 noch um 0,9 Prozentpunkte steigern. Die durchschnittliche Auftragsreichweite war ebenfalls weiter gestiegen und lag 2018 bei 8,7 Wochen (2017: 7,8 Wochen). Die durchschnittliche Betriebsauslastung ist allerdings kaum mehr steigerungsfähig.
Konjunkturlokomotive blieben die Betriebe des Bauhaupt- und des Ausbaugewerbes. Die Meldungen zur Geschäftslage, zum Umsatz und zu Auftragsreserven waren rekordverdächtig, allerdings arbeiten viele der Betriebe am Rand ihrer Kapazitäten, so dass zunehmend längere Wartezeiten für die Kunden entstehen.

Auch die industriellen Zulieferer und die Gesundheitshandwerke waren mit dem Jahresverlauf mehr als zufrieden. Die Nahrungsmittelhandwerke haben im Jahresverlauf ebenfalls weiteren Schub erhalten. Nur die Kfz-Betriebe zeigten sich nach wie vor skeptisch. Die anhaltende „Diesel-Diskussion“ und zurück-gehende Verkäufe von Diesel-Pkw haben die Situation für viele Betriebe erschwert, die erhoffte Besserung ist bisher nicht eingetreten.

Sowohl bei den Auftragseingängen als auch bei den Umsätzen gab es gegen-über 2017 weitere signifikante Steigerungen, die so nicht zu erwarten waren. Lediglich die Investitionsbereitschaft blieb insgesamt verhalten. Zwar ist sie im Jahresverlauf 2018 gestiegen, aber das Niveau ist nach wie vor recht niedrig. Angesichts der hohen Kapazitätsauslastung wären hier höhere Werte zu er-warten gewesen.

Umsatz- und Beschäftigtenentwicklung 2018/19:

2018 (voraussichtliches Ergebnis):
Umsatz: + 5 Prozent / + 436 Mio. Euro auf 9,2 Mrd. Euro
Beschäftigte: + 0,2 Prozent / + 200 auf 92.200 Beschäftigte
2019 (Prognose):
Umsatz: + 3,5 Prozent / + 366 Mio. Euro auf 9,5 Mrd. Euro
Beschäftigte: + 0,2 Prozent / + 200 auf 92.400 Beschäftigte

Konjunkturmerkmale 2018 nach Gewerbegruppen:

Bauhauptgewerbe: Spitzenwerte bei der Geschäftslagebeurteilung, denn der Bauboom geht weiter. Die Betriebe profitieren von der starken öffentlichen und privaten Nachfrage, insbesondere der Wohnungsbau hat sein hohes Niveau gehalten. Die Auftragsreichweite ist gegenüber 2017 weiter angestiegen und lag im Jahresschnitt 2018 bei 10 Wochen. Die Betriebsauslastung bleibt sehr hoch und lag bei durchschnittlich 84,6 (!) Prozent. Die Betriebe blicken nach wie vor zuversichtlich in die Zukunft.

Ausbaugewerbe: Gut gefüllte Auftragsbücher und deutliche Umsatzsteigerungen prägten das Jahr 2018 auch im Ausbaugewerbe. Die hohe Nachfrage durch den wachsenden Wohnungsmarkt und Sanierungen im Bestand werden auch in 2019 Bestand haben. Insgesamt 67 Prozent der Betriebe schätzen die Geschäftslage als gut ein, 28 Prozent als befriedigend. Die Auftragsreserven liegen bei 9,7 Wochen. Die Aussichten bleiben ebenfalls sehr positiv.

Gewerblicher Bedarf: Weitere Verbesserungen gab es bei den industriellen Zulieferern gegenüber dem starken Vorjahr obwohl die Industrie etwas schwächelt. Durchschnittlich 94 Prozent berichten von guten oder zufriedenstellenden Geschäften. Die Kapazitätsauslastung ist mit 85,6 Prozent extrem hoch. Die zu-künftigen Erwartungen bleiben allerdings leicht verhalten. Denn ein harter Brexit würde die Branche besonders treffen.

Kraftfahrzeuggewerbe: Das Kfz-Handwerk liegt deutlich unter dem Durch-schnitt des Gesamthandwerks. Gegenüber 2017 ging es noch etwas bergab in der Geschäftslagebewertung. PKW-Absätze waren durch den Diesel-Skandal belastet, aber die Werkstätten waren gut ausgelastet. Mehr als jeder fünfte Betrieb war mit der Geschäftslage unzufrieden. Auch die Zukunftserwartungen bleiben skeptisch.

Nahrungsmittelgewerbe: Die Geschäftslage in den Lebensmittelhandwerken hat sich gegenüber dem Vorjahr weiter verbessert. 90 Prozent bezeichneten die Geschäfte als gut oder befriedigend. Die Umsätze waren insbesondere zum Jahresschluss gestiegen. Die Verbraucherstimmung ist aktuell positiv, so erwarten die meisten der Bäcker und Fleischer eine Fortsetzung der guten Lage.

Persönliches Dienstleistungsgewerbe: Hier gab es lediglich leichte Verbesserungen. Insgesamt liegt die Branche deutlich unter dem Durchschnitt des Gesamthandwerks. Trotzdem gab es weitere Umsatzsteigerungen. Der Blick nach vorne ist jedoch etwas getrübt.

Zum Handwerk im Kammerbezirk Kassel (Stadt Kassel, Landkreise Kassel, Waldeck-Frankenberg, Werra-Meißner, Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg, Marburg-Biedenkopf und Fulda) gehören gut 16.200 Betriebe, die 92.200 Mitarbeiter beschäftigen und über 7.200 junge Menschen ausbilden und einen Umsatz von 9,2 Milliarden Euro erwirtschafteten.

Datengrundlage der Konjunkturbilanz 2018: Vierteljährlich befragt die Handwerkskammer Kassel ca. 850 repräsentativ ausgewählte Betriebe aus sieben Gewerbegruppen zur aktuellen Konjunkturentwicklung. Dabei werden sowohl weiche Indikatoren (z. B. Geschäftslageeinschätzung) als auch harte Indikatoren (Auftragseingänge, Umsätze, Beschäftigte, Investitionen u. a.) abgefragt. Das Geschäftsklima errechnet sich aus dem Mittelwert der Umfrageergebnisse zur Geschäftslage und zu den Erwartungen.

Kontakt

Handwerkskammer Kassel
Dr. Matthias Joseph
Scheidemannplatz 2
34117 Kassel

Tel.: +49 561 7888 166
Fax: +49 561 7888 20166
Email: matthias.joseph@hwk-kassel.de
Internet: www.hwk-kassel.de

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