Handwerkskammer Kassel

Handwerk sieht derzeitige Lage kritisch

Folgen des Lockdowns betreffen immer mehr Betriebe

„Die Verlängerung des Lockdowns stellt für viele betroffene Handwerksbetriebe eine schwere Belastung dar und droht, viele von ihnen in die Knie zu zwingen. Denn je länger uns die Pandemie im Griff hat, desto stärker wächst die Betroffenheit aller Handwerksbetriebe, weil es mittlerweile kaum mehr einen Bereich gibt, den die Einschränkungen nicht betreffen. Insofern machen sich die Folgen an vielen Stellen bemerkbar“, sagt Heinrich Gringel, Präsident der Handwerkskammer Kassel dazu. „Wir wünschen uns natürlich, dass die Pandemie bald vorüber ist, gehen aber nicht davon aus, dass der überwiegende Teil der Handwerksbetriebe an die konjunkturelle Hochphase, die wir vor Corona hatten, anknüpfen kann.“ Das bestätigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Kammer, die das vierte Quartal 2020 umfasst.

Und so zeigen die Zahlen, dass die Achterbahnfahrt in der nord-, ost- und mittelhessischen Handwerkskonjunktur weitergeht. Nach der Konjunkturerholung im Herbstquartal sind viele der Handwerksbetriebe im Kasseler Kammerbezirk durch die zweite Corona-Welle wieder in deutliche Turbulenzen geraten und die Stimmung hat sich weiter verschlechtert. Insgesamt gut 29,2 Prozent geben der aktuellen Geschäftslage die Note „schlecht“, vor einem Jahr waren es 10,2 Prozent. Die Anzahl der „gut“-Meldungen ging von 45,5 auf 36,7 Prozent zurück. Auch die Geschäftserwartungen werden düster beurteilt: 38 Prozent (Vorjahr: 18,4 Prozent) befürchten eine weitere Verschlechterung, während lediglich 8 Prozent von einer Verbesserung aus-gehen. Dadurch ist auch der Geschäftsklimaindex ins Trudeln geraten, er sank im Vergleich zum Vorquartal um 23 Punkte auf 86,7 Punkte. Der Vorjahreswert betrug 110,5 Punkte.

„Während im Bauhaupt- und insbesondere im Ausbaugewerbe nach wie vor gut zu tun ist, hat der Rest des Handwerks mit einer teils existenziellen Krise zu kämpfen“, so Gringel weiter. Das Stimmungsbarometer stürzte insbesondere bei den privaten Dienstleistern wie Friseure und Kosmetiker regel-recht ab: Hier schätzen 70 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht ein. Auch die Kfz-Betriebe betrachten die aktuelle Situation alles andere als rosig, der Autohandel liegt nach wie vor brach und die Werkstätten sind durch die gesunkenen Wartungsintervalle nur schwach ausgelastet. Die Bäcker und Fleischer leiden unter der Schließung der Verzehr-Bereiche und dem Wegfall des Catering-Geschäftes. Auch die Handwerke für den gewerblichen Bedarf müssen Umsatzeinbußen hinnehmen, da die Industrie angesichts der zurückgegangenen Nachfrage weniger Aufträge zu vergeben hatte.

Die gegenwärtig schlechte Lage der Betriebe spiegelt sich vor allem bei den Auftragseingängen wider: 42,4 Prozent mussten Auftragseinbußen und 35,1 Prozent Umsatzrückgänge hinnehmen. Außerdem beklagt knapp ein Fünftel der Betriebe, nicht einmal zur Hälfte ausgelastet zu sein. Die gesamte Betriebsauslastung sank binnen Jahresfrist um 4,1 Prozentpunkte auf 75,8 Prozent und der durchschnittliche Auftragsbestand lag Ende Dezember bei 8 Wochen (Vorjahr: 9,3 Wochen), die stark vom Ausbaugewerbe geprägt sind.

Obwohl die mittel- bis langfristigen Aussichten durchaus positiv sind, sehen die Handwerker zurzeit nur wenig Licht am Ende des Tunnels. Die immer noch prekäre Infektionslage, inklusive der damit einhergehenden Unsicherheit, hatte die erneute Verlängerung des Lockdowns bis in den März zur Folge. „Das wird die gesamte Wirtschaft im 1. Quartal weiter stark belasten und gerade in den besonders betroffenen Bereichen des Handwerks die Krise weiter vertiefen“, ist der Kammerpräsident sich sicher. „Dass die Handwerksbetriebe das bereits einkalkulieren, zeigte die Konjunkturumfrage deutlich.“ Lediglich 9,2 Prozent der Umfrageteilnehmer gehen von einer Verbesserung der Geschäftslage im 1. Quartal 2021 aus, während 38 Prozent sogar mit einer weiteren Verschlechterung rechnen.

Dass sich auch die Bau- und Ausbaubranche recht pessimistisch zeigten, ist hoffentlich nur eine kurzfristige Momentaufnahme, da die langfristigen Indikatoren der Branche auf ein stabiles Jahr 2021 hindeuten. Für das Kfz-Handwerk und die Handwerke für den gewerblichen Bedarf wird die Lage noch mindestens das Frühjahr über schwierig bleiben. Wenn die Konjunktur dann wieder anzieht, sollte vor allem die zweite Jahreshälfte eine deutliche Erholung bringen. „Nachdem die ersten beiden Monate des Quartals aber maßgeblich von der Pandemie geprägt sind und auch im März nur mit schrittweisen Lockerungen zu rechnen ist, werden sich die pessimistischen Erwartungen der Handwerker vermutlich bestätigen“, fürchtet Gringel. „Der Jahresbeginn wird nicht zuletzt umsatzmäßig erheblich hinter dem des letzten Jahres zurückbleiben.“

Trotz der jüngsten Entwicklungen in der Corona-Pandemie stehen die Beraterinnen und Berater der Handwerkskammer Kassel weiterhin nach Vereinbarung für persönliche Beratungsgespräche zur Verfügung. Auch die Sprechtage in den Kreishandwerkerschaften im Kammerbezirk sowie in der Kammer werden weiter angeboten. Alle Beratungen finden selbstverständlich unter Einhaltung der aktuellen Abstands- und Hygienebestimmungen statt. (Terminvereinbarungen Montag bis Donnerstag 7.30 bis 16.00 Uhr und Freitag 7.30 bis 15.30 Uhr: Tel 0561/7888-154 und -152 oder betriebsbera-tung@hwk-kassel.de)

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