Handwerkskammer Kassel

Handwerk fordert mehr Investitionen in Straßenbau und Gebäudesanierung

Investitionstätigkeit im Baugewerbe kommt zum Erliegen

Mehr Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und die Förderung der energetischen Gebäudesanierung forderte Heinrich Gringel, Präsident der Handwerkskammer Kassel, anlässlich der 125. Vollversammlung der Handwerkskammer Kassel. Noch zeigten sich die Handwerksbetriebe in Nord-, Ost- und Mittelhessen trotz rückläufiger Umsätze und Auftragseingänge erstaunlicher guter Stimmung. „Der Grund dafür dürfte in den positiven Geschäftsaussichten der Betriebe und dem recht milden Winter liegen, der härtere konjunkturelle Bremseffekte verhindert hat.“ Getragen werde die positive Wirtschaftentwicklung im Handwerk weiterhin vor allem von den Ausbauhandwerken, die merkten, dass die Menschen nach wie vor kräftig in die eigenen vier Wände investieren sowie den industriellen Zulieferern.

Im Bauhauptgewerbe mehrten sich hingegen die negativen Meldungen. „Die Betriebe schätzen die weiteren Aussichten eher trübe ein, da insbesondere die Investitionstätigkeit zum Erliegen gekommen ist. Kein Wunder also, dass die heimische Bauwirtschaft erste Anzeichen für eine Abschwächung der Konjunktur meldet.“ Besonders problematisch ist die Lage im Tiefbau, weil sich die kommunalen Auftraggeber mangels finanzieller Möglichkeiten mit der Vergabe von Aufträgen zurückhalten.

Nicht nur aus diesem Grund bezeichnete Gringel die Entscheidung von Hessens Wirtschaftminister Tarek Al-Wasir, jedes dritte Straßenbauprojekt auf Eis zu legen, als fatal. „Sowohl unsere Brücken als auch unsere Straßen sind über weite Strecken in einem erbarmungswürdigen Zustand, weil sie seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten auf Verschleiß gefahren werden.“ Der Kammerpräsident fürchtet, dass sich das künftig rächen könnte. Zum einem, weil sich die schlechte Verkehrsinfrastruktur zu einer Belastung des Wirtschaftsverkehrs entwickele, zum anderen würden die notwen-digen Investitionskosten nachfolgenden Generation aufgebürdet werden.
Gringel wies darauf hin, dass sich die Investitionen der öffentlichen Hand in die Verkehrswege ein gutes Stück weit selbst finanzieren. „Wenn unsere Betriebe mehr Aufträge haben, zahlen sie mehr Steuern und Sozialabgaben, beschäftigen mehr Mitarbeiter, die ihrerseits die Staatskasse wieder auffüllen.“ Das gelte auch für die Förderung der energetischen Sanierung von Gebäuden: „Hier lösen Fördermittel in Höhe von einem Euro rund neunmal so hohe private Investitionen aus, sichern und schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze und finanzieren sich über zurückfließende Steuer- und Beitragseinnahmen ebenfalls praktisch selbst.“

Weil rund 40 Prozent der verbrauchten Energien auf die Haushalte entfielen, lägen dort auch die größten Einsparpotentiale. Allein im Wärmebereich – rund 85 Prozent des gesamten Energiever-brauchs entfallen auf die Heizung und auf die Warmwasserbereitung – ließe sich der Energiever-brauch je nach Alter und Zustand des Gebäudes oftmals um mehr als die Hälfte reduzieren. „Des-halb ist Energieeinsparung im Gebäudebereich der Schlüssel für den Erfolg der Energiewende“, so der Kammerpräsident weiter. Um Immobilienbesitzern einen Anreiz zu Investitionen zu bieten, schlägt das Handwerk vor, dass die Sanierungskosten bis zu einer bestimmten Höhe direkt von der Steuerschuld abgezogen werden können, und das über zehn Jahre hinweg. „Diese Lösung würde alle Eigentümer – unabhängig von der Einkommenshöhe – gleichermaßen begünstigen.“

Sorgen bereitet dem Handwerk die Sicherung der Nachwuchs- und Fachkräfte. „Uns fehlen massiv geeignete Bewerber, um alle Ausbildungsplätze zu besetzen“, bilanziert Gringel die Lehrstellensi-tuation. Eine Entwicklung, die nicht nur das Handwerk betreffe. Neben einer verstärkten Werbung in Schulen und Kindergärten müsse sich das Handwerk künftig Fachkräfte nicht nur bei den jungen Menschen erschließen, die den Weg in das Berufsleben nicht auf Anhieb finden und mit Hilfe der Arbeitsverwaltung qualifiziert werden müssten, sondern auch bei Abiturienten und Studienabbre-chern. An die Betriebe appellierte er, sich nicht von den schwieriger werdenden Bedingungen ent-mutigen zu lassen und auch weiterhin auf hohem Niveau auszubilden.

Die Dringlichkeit dieses Appells belegte Hauptgeschäftsführer Eberhard Bierschenk. Er berichtete, dass die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2013 von 2.864 auf 2.744 gesunken ist. „Angesichts der vielen unbesetzten Lehrstellen macht diese Zahl deutlich, dass der demografi-sche Wandel im Handwerk angekommen ist.“ Allerdings belegten die Zahlen der Kammer ebenso, dass eine Ausbildung im Handwerk für Abiturienten eine immer attraktivere Alternative zum Studi-um wird. „Lag die Zahl der Lehrlinge mit Abitur 2005 noch bei fünf Prozentin stieg sie bis 2013 auf elf Prozent an. Das ist eine Entwicklung, die uns zuversichtlich stimmen kann.“ Auch die Erfahrun-gen, die Betriebe mit sogenannten Studienabbrechern sammelten, seien durch die Bank weg posi-tiv.

Eine stabile Entwicklung vermeldete der Hauptgeschäftsführer bei den Handwerksbetrieben in Nord-, Ost- und Mittelhessen. Ende 2013 belief sich die Zahl der kammerzugehörigen Betriebe auf 16.228 (16.117 in 2012), was einen Anstieg von 0,7 Prozent bedeutet. Die Zahl der Beschäftigten war 2013 mit 88.700 nahezu unverändert geblieben ebenso wie der von den Betrieben erwirtschaf-tete Umsatz von knapp 8, 3 Milliarden Euro. Während die Zahl der Existenzgründungen leicht von 961 auf 1.068 gestiegen war, war die Zahl der Meisterprüfungen von 567 auf 501 zurückgegangen. Auch die Zahl der Fortbildungsprüfungen sank 2013 von 411 auf 343.

Die Jahresrechnung 2013, die von der Vollversammlung abgenommen wurde, belief sich auf 12,3 Millionen Euro, ein Jahr zuvor hatte sie bei 9,6 Millionen Euro gelegen. Allerdings entfielen im ver-gangenen Jahr 2,1 Millionen Euro auf die Baukosten für die Modernisierung des Bildungszentrums Kassel (BZ). Deshalb konnte Bierschenk eine positive Bilanz ziehen: „Die gute Wirtschaftslage der Betriebe spiegelt sich auch in unserem Haushalt wider. Den Zuwachs werden wir nutzen, um die weiteren Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen im BZ zu finanzieren. Diese Investition kommt unseren Betrieben direkt zugute, denn so können wir auch künftig ein Bildungsangebot auf mo-dernstem Stand bereithalten.“

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